neues-deutschland.de / 16.10.2010 / Berlin/Brandenburg / Seite 14

Planetare Gänge

In den Sophiensaelen sucht Christina Ciupke nach dem Eigenen im Gemeinsamen

Von Volkmar Draeger

»Yes. No. A bit. Not Really« heißt vage, unter Umgehung jeder klaren Aussage, die neue Arbeit von Christina Ciupke. Exakt 60 Stühle umstehen dazu eine honiggelbe Fläche, auf die der Besucher blickt, und auf dessen Suchgänge wiederum blicken wohlgefällig von hinten, dort, wo die eigentliche Publikumstribüne steht, die drei Akteure. Sphärische Musik begleitet den Anfang, setzt gelegentlich zugunsten langer Stille aus; Gesangsfetzen tauchen bisweilen leise auf. Von der Zuschauerbank aus brechen Ciupke, die bildende Künstlerin Lucy Cash, der Musiker Boris Hauf auf, das Betrachterkarree in gemächlichem Tempo zu umrunden.

Wie Planeten kreisen sie damit zugleich um die Szene, die man als Schauplatz des Gezeigten erwartet. Sanft
dominante Figur ist Christina Ciupke barfuß in ärmellosem Schwarz.

Maximum an Nähe sind gemeinsame Wendekonstellationen und dichte Raumpositionen. Rechtwinklig oder T-förmig stehen die Spieler dann kurzzeitig zueinander, beobachten den Anderen, heben den Blick synchron nach oben.

Dann setzt als Finale wieder das triple Wendemanöver ein, mit intensiver Blicknahme. Dem kann man eine berührunglose Zärtlichkeit nicht absprechen. Christina Ciupkes Suche nach dem Gemeinsamen bei gleichzeitiger Behauptung des Eigenen lebt von ihrer häufig wohltuendend kontemplativen Stille, verzichtet auf Steigerungen und verharrt deshalb allzu sehr in derselben Dynamik. Konsequent verweigert sie Tanz im herkömmlichen Sinn als Recherche neuer Ausdrucksmöglichkeiten des Körpers, verkehrt durch permanenten Wechsel des Spielorts Außen und Innen, macht den umgangenen Zuschauer zum Teil ihrer fein durchdachten Inszenierung.

Quelle: http://www.neues-deutschland.de/artikel/181977.planetare-gaenge.html

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