bildbewegung
tanz und fotografie: christina ciupke und gisela dilchert
der körper im fluss beschreitet den weg von der bild / fläche in den zeitlichen körper / raum. zwei
bildthemen treten einander gegenüber auf der suche nach dem ort ihrer gemeinsamkeit: der rhythmische raum des bildes und
die schnittstelle von körper und bild.
mittels diaüberblendung werden projektionen in bewegung versetzt. neben körperlandschaften beschreiben sie den
puls einer bildhaften bewegung. körpereigener rhythmus schreibt sich um in bewegtes bild.
in der zusammenführung von bild und bewegung wird ein kurzer moment der hingabe untersucht, indem sich das bewusstsein
langsam aus der mitte an den rand bewegt, der körper sich der schwerkraft überlässt, und die wahrnehmung
vorübergehend unscharf wird.
der wiederkehrende wechsel von physischer spannung, entspannung und intensiver kontraktion umfasst die unentschiedenheit
und den inneren zwiespalt, sich diesem moment zu überlassen oder zu wiedersetzen. im abwägen von hingabe und
kontrolle im umgang mit schwerkraft, anziehung und dynamik wird die thermische kraft einer empfindung und ihre unmittelbare
auswirkung auf den körper und das handeln spürbar. durch das wiederholte ausführen einer bewegung, bis sie
unvermeidlich erscheint, entwickelt sich eine eigene dynamik des zweifels.
credits: konzept: christina ciupke und gisela dilchert
choreographie, tanz: christina ciupke
fotografie: gisela dilchert
dramaturgie: kerstin follenius
kostüm: katharina montag
bildkomposition: kerstin follenius
künstlerische beratung: monique rival
licht: andeas harder
prod. leitung: holger hartung
bauten: stefan brunner
produktion christina ciupke, gisela dilchert
mit freundlicher unterstützung der senatsverwaltung für wissenschaft, forschung und kultur berlin und des theater am halleschen
ufer
presse
bühne leipzig 14./15. dezember 2002
metaphernreiches tanztheater "bildbewegung" im lofft
gespür fürs minimale
die "reisende" 1999 christina ciupke ist wieder da, zum dritten mal mit neuem stück im lofft, wieder auf der
recherchetour durch den raum, auf der suche nach dem eigenen körper. ihr "rissumriss" war der höhepunkt der
tanzplattform im frühjahr: eine konsequente arbeit. ein ausloten des körpers in einem lichtspalt. ein beiwort
drängte sich da auf, das man (fast) nie verwenden sollte: perfekt.
das jüngste stück heisst "bildbewegung". erneut orientiert sich die tänzerin am prinzip maximaler reduktion:
die bühne bleibt schwarz und bis auf bewegungsgeräusche still. licht spenden zwei scheinwerfer rechts und links.
hinten steht eine leinwand, wie ein vorhang in der mitte geteilt. links auf dem boden liegt, bis auf eine schwarze hose
nackt, die tänzerin, den rechten arm so ausgestreckt, dass gäste beim betreten des saals fast die hand treffen.
ciupkes rücken findet sich als schwarz-weiss-projektion auf der leinwand wieder: minutenlang ruht die situation wie der
ausdruck im gesicht der tänzerin. kurz nachdem es zu langweilen droht, regt sie sich. langsam spannt sich der
körper, klappt in der hüfte zusammen, den po hoch gestreckt. das dia wechselt von scharf zu unscharf.
überblendungen bewegen das bild nach und nach. die fotos stammen von gisela dilchert, die seit 1992 mit der
tänzerin zusammenarbeitet.
auch in ciupkes sequenz - deren zweiteiligkeit von an- und entspannung an urprinzipien erinnern mag, an herzschlag, polarität,
yin-yang, digital-codes, hingabe und widerstand - schleicht sich variation ein. die tänzerin rotiert, erschließt
den boden kreisend, beweist gespür für schlüssige abläufe. nach etwa vierzig minuten erlischt das dia, das
geschehen gerät hektisch, disharmonisch. dunkel.
"erkenne dich selbst" stand über dem orakel von delphi. der spruch lässt sich wunderbar auf christina ciupkes
beschäftigung mit raum, zeit, abbild übertragen. zwar bleibt "bildbewegung" hinter "rissumriss" zurück,
gehört jedoch zum stärksten was dieses jahr im lofft zu sehen war. hendrik pupat
|
 |